Man sollte meinen, dass ein alteingesessenes Hotel gewisse Dinge routinemäßig erledigt. Etwa, seinen Gästen das Frühstück kredenzen. Doch manchmal irrt man sich in seinen Annahmen. Im Bridge of Orchy-Hotel lief einigermaßen alles schief, was beim Frühstück schief gehen kann. Allerdings habe ich den Verdacht, dass das nicht am Hotel selbst lag, sondern an der Dame mittleren Alters, die ein Gesicht zog wie Grotgork, weil sie uns bedienen musste. Es gab also Tassen, aber es gab keinen Tee. Es gab Toast, aber keine Teller. Dann kam Tee, aber Zucker und Milch fehlten. Dann kam ein Teller, aber kein zweiter. Und außerdem kippelte der Tisch wie verrückt. Geschmeckt hat das Frühstück trotzdem, besonders das Porridge.
Wir brachen mit steifen (und mit "Deep Heat"-Salbe eingeschmierten) Achillessehnen um 8:30 Uhr auf, allerdings gaben wir vorher noch unsere Rucksäcke an der Rezeption für Travel-Lite auf. Für acht Pfund pro Tasche sollten sie nun von hier zum King's House Hotel transportiert werden, dem Ziel des Tages.
Von meinem Rucksack hatten wir das Deckelfach gelöst, in das wir unsere Regenhosen und den mit Wasser gefüllten Platypus verstauten. Das Erste-Hilfe-Paket wanderte an den Gurt der vor dem Urlaub gekauften Kängurutasche, in der wir alles Wichtige stets am Mann transportierten: Papiere, Kamera, Müsliriegel, Schmerztabletten und Blasenpflaster.
Noch als wir vor dem Hotel Wasser in den Platypus füllten, attackierten uns die ersten Midgie-Schwärme. Sofort setzten wir unsere in Tyndrum erworbenen Mückennetze auf den Kopf und hatten unmittelbar Ruhe vor den Plagegeistern. Zumindest am Kopf. Die Hände jedoch waren nur bei Bewegung oder Wind Midgie-frei. So zogen wir also los, total lächerlich aussehend mit unseren olivfarbenen Netzen auf den Köpfen.
Als erstes kam ein Hügel, der uns Tags zuvor Sorge bereitet hatte, weil er laut Landkarte ziemlich steil war. Die Höhenlinien lagen ziemlich eng zusammen, und aus dem Druck ging nicht eindeutig hervor, wie steil wir würden gehen müssen. Lustigerweise bereitete uns der Berg keinerlei Probleme. Wir fanden die ganze Tour rauf und runter als ziemlich einfach. Später kamen wir darauf, dass dieses Empfinden möglicherweise ans Fehlen unserer Rucksäcke gekoppelt war.
Es folgte eine wunderbare Wanderung durch die Highlands – ohne Sicht und bei absoluter Windstille. Unsere Sichtweite betrug vielleicht ein Kilometer, vielleicht auch zwei, danach verschwand die Landschaft im Dunst. Die Sonne schien den ganzen Tag nicht, die tief hängenden Wolken lösten sich nicht auf. Dadurch, dass kein Wind blies, erklärten die Midges diesen Tag zu ihrem persönlichen Nationalfeiertag. Und das wiederum hieß, dass wir uns überlegen mussten, wie wir essen und trinken würden, ohne selbst zur Nahrung zu werden. Die Lösung war einfach: Während man sich bewegt, landen die Midges nicht, weil der "Fahrtwind", den man verursacht, offenbar unangenehm für sie ist. Das hieß, dass wir während des Gehens essen mussten. Wir hatten ohnehin nur Müsliriegel dabei, daher war das auch praktikabel. Netz hochklappen (huch! frische Luft!), essen, Netz wieder runterklappen.
Trinken war ebenso einfach. Ein Platypus sieht aus wie eine durchsichtige Capri-Sonne-Tüte mit zwei Litern Fassungsvermögen, nur dass der Inhalt in aller Regel nicht so chemisch schmeckt. Er hat oben etwa da, wo bei der Capri-Sonne der Trinkhalm rein muss, einen Schraubverschluss. Den Verschluss schoben wir unter dem Netz durch und drückten das Wasser einfach nach oben durch den "Trinkhalm". Bis die Midgies diesen Trick raushatten, waren wir nicht mehr durstig.
Auf halber Strecke nervte mich irgendwas in meiner Cargohose am rechten Bein. Ich blieb stehen und öffnete die Hose, um nachzusehen, was das war. Und ach du je - es war der Schlüssel zu unserem Bunkhouse-Zimmer. Ein riesiges Teil, das ich eigentlich hatte abgeben wollen, dann aber in die Tasche gesteckt hatte, um die Hände zum Platypus-Füllen frei zu haben. Was denn nun? Zurücklaufen? Katja hatte zwar ihr Handy mit in der Umhängetasche, aber die Telefonnummer des Hotels lag mit unserem Reiseführer zusammen im Rucksack, der gerade per Lieferwagen durch die Gegend geschaukelt werden dürfte. Obwohl...? Ich hatte ja von Tyndrum aus das Bunkhouse reserviert, also müsste die Nummer doch noch gespeichert sein! Aber – haben wir hier überhaupt Empfang, mitten im Rannoch Moor? Funkmasten konnten wir nirgends sehen. Katja schaltete das Telefon ein. Wir warteten auf die Signalstärke. Eine halbe Minute passierte nichts. Dann: Vodafone UK, volle Leistung.
Ich rief im Bridge of Orchy Hotel an und berichtete über meinen Fund. Dort lachte man nur und sagte, ich sei nicht der erste, dem das passiert sei. Im King's House solle ich den Schlüssel einfach abgeben und per Travel-Lite zurückschicken lassen. Die sind ja mal cool, die Leute.
Weil wir uns ob unserer geschundenen Fersen recht langsam bewegten, überholte uns eine englische Reisegruppe. Keiner von diesen Leuten war gegen Midgies gerüstet, alle wedelten permanent mit den Händen in der Luft herum. Einer sagte im Vorübergehen zu Katja: "I'll give you one thousand Pounds for that hat." Aber da, so fanden wir, wäre er wohl ein bisschen zu billig davongekommen. Schließlich hatten wir noch zehn, elf Kilometer vor uns! (Später stellte sich übrigens heraus, dass die englische Reisegruppe eigentlich eine deutsche Reisegruppe war, und der Typ mit dem 1000-Pfund-Angebot ihr hervorragend deutsch sprechender Reiseleiter.) Außerdem trafen wir unsere erste Reisebekanntschaft wieder, jenem allein reisenden Schotten aus Glasgow, der kurz vor Drymen auf dem Campingplatz geblieben war.
Die Highlands hätten wunderschön sein können, wenn wenigstens ein bisschen Wind gegangen wäre und die Midges vertrieben hätte. So aber steckten wir in unseren Mückennetzen fest, hinter deren dünner Stofflage sich trotz nur 10 oder 13 Grad Außentemperatur eine drückende Schwüle aufbaute. Sogar unsere Brillen beschlugen. Ich setzte meine ab und steckte sie in die Tasche. Im Gegensatz zu Katja bin ich nicht wirklich auf die Sehhilfe angewiesen.
Der Weg lief durch absolute Einsamkeit. Einige Kilometer östlich von uns verlief die Schnellstraße zwischen Glasgow und Fort William, die wir ab und zu sehen, jedoch nie hören konnten. Hätten wir aus irgendeinem Grunde zur Straße gemusst, wären wir aufgeschmissen gewesen. Sie war durch das Moor, das sich insgesamt noch für weitere 30 Kilometer nach Osten erstreckt, so gut wie unerreichbar. Damals in Irland hatten Béla und ich für eine Strecke von nur vierhundert Metern in vergleichbarem Terrain eine satte Stunde benötigt - und hinterher waren wir ziemlich kaputt.
Doch hatten wir gar keinen Anlass, zur Straße zu wollen. Der Weg, auf dem Katja und ich liefen, verlief deutlich oberhalb der Schnellstraße. Er bestand größtenteils aus einer alten Militärstraße der britischen Besatzer und war einigermaßen einfach zu gehen. (Andererseits haben die Römer 1500 Jahre früher bessere und haltbarere Straßen gebaut als die englische Armee im 18. Jahrhundert.) Wir fragten uns, unter welchen Umständen der Weg wohl gebaut worden war. Schottische Sklavenarbeiter? Ausländische Kriegsgefangene? Britische Strafkompanien? In jedem Fall haben die Arbeiter und ihre Aufseher wohl unsäglich unter den Midges leiden müssen.
Schließlich konnten wir unser Etappenziel King's House Hotel von unserem Weg aus sehen: ein weißer Fleck vor einem riesigen Bergmassiv. Links und rechts sonst nichts, nichts, nichts als Ödnis und der Schnellstraße als Verheißung von Zivilisation.
Die Bezeichnung "King's House" zeigt deutlich die schottische Wertschätzung gegenüber englischer Monarchengeschlechter: Als es den Namen erhielt, handelte es sich bei dem Gebäude um eine Viehtreiberunterkunft.
Etwa zwei Kilometer vor dem königlichen Gemäuer steht ein Schild mitten in der Pampa: "Cafe open 9-4". Darunter ein Pfeil nach links, der auf einen kleinen, offenbar frisch angelegten Weg weist. Dort geht es zum größten schottischen Skigebiet, dessen Café eben auch im Sommer offen hat. Wir entschieden uns ob der frühen Stunde, dorthin zu gehen.
Zunächst waren wir die einzigen Gäste in diesem modernen, wenig gemütlichen, aber vollständig aus Holz gebauten Cafékomplex. Doch wie so oft: Kaum hatten wir unsere Soups of the day bestellt (ja, es gab zwei: Carrots and Sweet Potatoes sowie Spicy Sweet Tomatoes; erstere war sehr, sehr gut, letztere schmeckte ein bisschen wie verdünnte Miracolì-Soße) stürmte eine Horde von zwei Leuten das Etablissement. Übrigens gab es hier kostenlosen Internet-Zugang. Um in den Genuss des Bloggens zu kommen mussten jedoch zwei Hürden überwunden werden: Erstens wurde die Geduld auf die Probe gestellt, denn anscheinend hatte es jemand geschafft, einen 386er mit Windows XP auszustatten. Dies war der definitiv langsamste PC, den ich je gesehen habe. Außerdem lag das @-Zeichen nicht da, wo es laut Tastaturbedruckung der englischen Standard-Windows-Tastatur hätte liegen müssen. Da ich Mac-User bin, weiß ich eh nicht, wo bei Windows das @-Zeichen liegt, und dann noch auf einer UK-Tastatur? Das @-Zeichen ist jedoch wichtig zum Bloggen, weil ich hier zur Anmeldung meine E-Mail-Adresse eingeben muss.
Ich behalf mich, indem ich eine Seite aufrief (rödel, rödel), auf der ein @ zu sehen war, kopierte es in die Zwischenablage und setzte es dann an entsprechender Stelle im Login-Fenster wieder ein. Und das alles im 386er-Tempo von 1993. Immerhin konnte ich ein paar Zeilen schreiben.
Unterdessen machte sich Katja Gedanken über die kommenden Tage – und entschied, dass wir die Wanderung beendeten. Allerdings schaffte sie es später, mich davon zu überzeugen, dass das einzig und allein meine Idee gewesen war. Wir verließen das Café und liefen zum zwei Kilometer entfernten King's House Hotel. Draußen tobte ein frischer Wind – die Midges waren gottlob endlich fortgeblasen.
Wir hatten bereits vorher durch Chris und Steve in Erfahrung gebracht, dass das King's House Hotel voll war. Wir wussten auch, dass die daneben gelegene Wiese, auf der man für eine Nacht zelten darf, keinerlei sanitäre Einrichtungen hat und das Hotel dem Zelter nicht zur Verfügung steht. Darum tranken wir einen Tee mit dem Schotten aus Glasgow, den wir in der Bar des Hotels trafen (wo ich den Schlüssel für Bridge of Orchy abgab und mich nach unserem Gepäck erkundigte) und der uns erzählte, er habe sich sein Zimmer bereits im Januar (!!) gebucht, um sicher für diese Nacht unterzukommen. Gegen 17 Uhr verabschiedeten wir uns, schauten auf dem Zeltplatz noch einmal nach Chris und Steve (wo bleiben die denn?) und gingen dann zur Straße, um auf den Bus nach Fort William zu warten.
Die Wolken, die dank des plötzlich aufgetretenen, munteren Windes endlich auch zu sehen waren, weil der Dunst mitsamt den Midges weggepustet worden war, waren phänomenal. Sie türmten sich an den Bergen auf, stiegen empor, krabbelten über ihre Gipfel und sanken auf der anderen Seite wieder herab. Doch dann kam schon der Bus, der uns leider viel zu schnell durch Glen Coe nach Fort William trug.
Glen Coe. Das schönste Tal Schottlands, so sagen viele.
Katjas Erinnerung an Glen Coe ist: grün.
Meine Erinnerung an Glen Coe ist: Berge und Kurven. (Katja hatte im Bus "Extra für dich!" einen Sitz gewählt, von dem aus ich eine großartige Aussicht auf eine, nun ja, recht freizügig bekleidete und wohlgeformte Schottin hatte.)
Fort William ist die größte Stadt der Highlands und eine Touristenfalle, weil es direkt am Fuße des Ben Nevis gelegen ist, dem mit tausendzwohundertirgendwas Metern höchsten Berg der britischen Inseln. Interessanterweise ist der Ben Nevis 300 Tage im Jahr nicht zu sehen, trotzdem ist das Nest voller Bergsteiger und Tagesausflügler. Entsprechend teuer ist hier alles. Das Hotel, in dem wir schließlich Unterkunft fanden, war nichts besonderes, kostete aber 40 Pfund pro Nase. Das Essen, das wir in der Fußgängerzone in einem wenig anheimelnden Restaurant/Pub hatten, war okay bis gut, aber mit über 20 Pfund eigentlich auch zu teuer für Schottland: Katja hatte ein überbackenes Hähnchenschnitzel, ich einen (sehr guten) Angus-Beef-Burger. Dazu kamen zwei Limonaden. Anschließend haben wir noch das Ende des West Highland Ways gesucht und gefunden und ein paar Beweisfotos gemacht. Allerdings ging mir dieser Spaziergang zum Schluss des Tages ganz schön auf den Nerv, genauer: auf die Sehne. Mittlerweile machte ich mit dem rechten Bein derartige, falsche Ausgleichsbewegungen, dass meine ganze rechte Wade hart war und mir das ganze Bein weh tat. Die letzten 500 Meter ins Hotel dachte ich nicht schaffen zu können. Ich humpelte und hinkte, es tat fürchterlich weh. Endlich kamen wir im Hotel an. Unser Zimmer hatte eine Badewanne, das Wasser war heiß und es hatte Druck. Selten habe ich mich so sehr über ein richtig heißes Bad gefreut. Ich stieg hinein (aaaaaaaah!), setzte mich, legte mich ab und blieb erst einmal liegen. Sofort wurde es meinem Bein besser. Ich blieb so lange im heißen Wasser sitzen, bis ich ganz verschrumpelt war und sich Katja beschwerte, weil sie auch noch baden wollte. Aber als sie dann drin saß sagte sie: "Hier gehe ich nie wieder raus!"
Währenddessen lief eine faszinierende Kochshow im Fernsehen. Das Ding hieß "The f-word". Zu Hause muss ich mal nachforschen, was genau das ist. Schließlich (auch Katja war mittlerweile wieder aus der Wanne aufgetaucht) gingen wir ins Bett. "Lass uns morgen mal ein bisschen länger schlafen", sagte Katja noch und stellte den Wecker auf 8 Uhr.
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Dienstag, 24. Juni 2008
Freitag, 20. Juni 2008
Cashel–Inversnaid, 18 Kilometer
Katja konnte mir einen tollen Wetterbericht der letzten Nacht geben, da sie leider kein Auge hat zumachen können: Erst hatte es stark gewindet, dann später kam Regen dazu. Anschließend wurde das Wasser wieder vom Zelt heruntergepustet, und dann legte sich der Wind. Die erste Nacht im neuen Zelt war also leider ziemlich ernüchternd für sie. Nicht so für mich: Mein Schlaf war erholsam, meinen Muskeln ging es - nach einer kleinen Anlaufphase - hervorragend. Nur meine Achillessehne will einfach nicht besser werden. Aber das wird schon!
Zum sonnigen Frühstück (der heftige Wind hatte sich über Nacht ja bereits gelegt) gab es Müsli mit Milchpulver und eine Scheibe pappigen britischen Brotes mit Zitronengelee, das wir in Mollgäi beim B&B stibitzt hatten. Die Vögel hier sind sehr zutraulich, wie es Tierfreunde vermutlich nennen würden. Besser gesagt sind sie rotzfrech. Sie kommen bis auf einen halben Meter etwa herangehopst und gucken, ob sie was abstauben können. Bei uns allerdings können sie das nicht. Wir essen alles selber auf.
Nachdem wir Zelt, Schlafsäcke, Isomatten und alles andere Zeugs gerade in die Rucksäcke verpackt hatten, begann es aus heiterem Himmel heftig zu regnen. Und das, obwohl die Regenwahrscheinlichkeit für heute bei unter 50 Prozent lag. Vermutlich bedeutet das: "40 bis 50 % - heftige, aber nur kurze Schauer." Denn nach nur fünf Minuten war alles vorbei und die Sonne kam wieder heraus. Wir brachen auf. Kaum waren wir nur zehn Minuten unterwegs, meldete sich wieder meine Achillessehne zu Wort. Besonders hügelabwärts schmerzte sie sehr, aber auch in der Ebene, während hangaufwärts zu gehen kein Problem darstellte. Hangaufwärts störten nur die knapp 20 Kilo auf meinem Rücken.
Auf dem schmalen Pfad entlang des Loch Lomond trafen wir an einem Parkplatz zwei Arbeiter, die damit beschäftigt waren, den West Highland Way gartentechnisch in Schuss zu halten, sprich: Sie kappen die vielen Ranken am Pfadesrand. Mit ihnen kamen wir ins Gespräch. Als sie hörten, wir seien Deutsche, fragten sie uns, ob wir denn das "tolle Fußballspiel gestern" gesehen hätten. Nein, wieso? Deutschland habe Portugal spektakulär mit 3:2 besiegt, und dieser hässliche Blonde habe hervorragend gespielt, während Ballack "absolutely genious" gewesen sein soll. Wie bitte? Deutschland hat Portugal besiegt?? Unfassbar. Da vergaß ich glatt meine Achillessehne für ein paar Minuten. Endorphine tun halt doch ihre Wirkung. :-)
Schließlich, nach endlos scheinenden sechs oder sieben Kilometern, kamen wir in den Ort Rowardennan. Ort? Am Ortseingang: eine Ferienhaussiedlung, dann ein Hotel. Dann 500 Meter gar nichts, dann ein Parkplatz und eine offiziell wirkende Hütte, deren Sinn wir aber nicht zu ergründen gedachten. Vielleicht die lokale Vogelwarte? In einem Kilometer Entfernung sollte dann noch die Jugendherberge kommen, und das wäre es dann mit Rowardennan. Zunächst ließen wir uns aber auf dem Parkplatz direkt am Wasser auf einer Bank nieder. Die Straße endete hier, daher gab es auch keinen großen Autoverkehr. Auf der Parkbank analysierten wir meine Schmerzen in der Ferse und beschlossen, noch den Kilometer in die Herberge zu gehen und dann dort für eine oder zwei Nächte zu bleiben und meinem Fuß eine Pause zu gönnen. Zwar soll dort kein Frühstück serviert werden, dennoch hat das Etablissements gute Kritiken bekommen.
So hinkte ich denn Katja hinterher. In der Einfahrt zur Jugendherberge (hier führte eine andere Straße hin, während der West Highland Way immer schön am Ufer des Lochs bleibt) holzte eine Horde von für diese Tätigkeit unangemessen bekleideten Damen und Herren (die sahen alle aus, als hätte ein wildgewordener Polizist wahllos 20 Autos angehalten und die Insassen zu Fronarbeit verdonnert) den halben tropischen Regenwald ab, der sich in Form riesiger Rhododendren in der Einfahrt zur Herberge breit gemacht zu haben schien. Auf dem Parkplatz des Anwesens (nicht anders kann man die Jugendherberge nennen) standen die 20 Fahrzeuge, die der wildgewordene Polizist herausgewunken zu haben schien. "Die gehören doch hoffentlich zu den Arbeitern", sagte Katja, doch wir wurden enttäuscht. Ein Schild an der Rezeption sagte unmissverständlich, dass man "Full for Tonight" sei.
Was tun? Wir hatten uns doch für etwas Ruhe entschieden - ein paar Stunden keinen Stress für meine Ferse. Zurück nach Rowardennan? 1,5 Kilometer bis zum Hotel? Nein danke. Vorwärts immer, rückwärts nimmer! Dann lieber weiter. Wir konsultierten die Karte. Das nächste offizielle Etappenziel war das Hotel in Inversnaid - viel zu weit weg. Aber vorher sollte es noch einen ofiziell-wilden Zeltplatz und kurze Zeit später eine Lodge geben, die auf der Karte mit einem Bettensymbol versehen war, einige Kilometer vor Inversnaid dann auf dem unteren Weg (der Weg teilte sich 300 Meter nach der Lodge in einen Höhen- und einen alternativen Uferweg) noch eine Schutzhütte. Wir entschieden, zum Zeltplatz weiterzugehen. Meine Ferse rieben wir großzügig mit Mobilat ein, das einzige Mittel, das wir für solche Fälle mitgenommen hatten. Ich benutzte es schon seit zwei Tagen.
Bis zum Zeltplatz (und noch darüber hinaus) waren Massen an Leuten damit beschäftigt, Rhododendron zu vernichten. Soll der hier ausgerottet werden? Oder nimmt er einfach nur Überhand und wird einmal alle zehn Jahre zurückgeschnitten? Auf dem Zeltplatz rauchte es gewaltig; dort schien das ganze abgeschnittene Holz dann verbrannt zu werden. Also: Weiter zur Lodge. Immerhin war der West Highland Way hier ein gut ausgebauter, breiter Forstweg ohne große Steigungen oder Senken.
Der Weg dorthin muss für Katja eine Qual gewesen sein. Ständig hörte sie mein Jammern hinter sich: "Au!", "Geh nicht so schnell", "Ich brauch 'ne Pause" und so weiter und so fort. Doch sie nahm es mit großer Gelassenheit. Mir kreiste die ganze Zeit die Erinnerung an unsere 2006-er Weserwanderung von Hannoversch-Münden bis beinahe Hameln im Kopf herum: "Wieso immer ich, und wieso immer der rechte Fuß?" Damals hätte ich mir beinahe einen Ermüdungsbruch zugezogen.
Schließlich kamen wir über einen wunderschönen, Rhododendron-gesäumten Weg, der vom West Highland Way abbog, zur Lodge. Es handelte sich um ein hübsches, kleines Haus direkt am Ufer des Loch Lomonds, dahinter erstreckte sich eine frisch gemähte, grüne Wiese. Aber niemand war da. Was nun? Zurück zum Hotel in Rowardennan - mittlerweile fast drei Kilometer hinter uns, die wir noch einmal würden laufen müssen - oder lieber voran in Richtung Inversnaid auf dem unteren Weg, wo noch die Schutzhütte liegt?
Zunächst versuchten wir, telefonischen Kontakt zum Bunkhouse in Inversnaid herzustellen, um herauszufinden, ob es für uns noch einen Platz gab. Ein Bunkhouse ist eine Kategorie unter Jugendherbergen angesiedelt. Wir bekamen jedoch nur ein "Piep-Piep-Piep", dann brach die Verbindung ab. Mehrfach. Also versuchten wir es im Inversnaid Hotel. Mit dem gleichen, frustrierenden Ergebnis.
Ich schluckte Traumeel, ein Mittel gegen Entzündungen, das in Kombination mit dem allmählich wirkenden Mobilat ein kleines Wunder wirkte: Ein warmes Gefühl durchlief mich, dann konnte ich einigermaßen laufen. Jetzt allerdings machte sich - glücklicherweise nicht nur bei mir - die allgemeine Anstrengung bemerkbar, denn die Rucksäcke zogen uns ganz schön nach unten, denn wir mussten ganz schön nach hügelaufwärts krabbeln, um zur Abzweigung von Höhen- und Uferweg zu kommen. Oder hatten wir die Abzweigung schon verpasst? Doch zunächst trafen wir auf eine Schlange. Sie war etwa 30 cm lang, braun und wies keinerlei Zeichnung auf. Schlange oder Blindschleiche? Züngeln Blindschleichen mit gespaltener Zunge? Keine Ahnung.
Gerade als die Schlange den Abgang in die Büsche wagte, kamen drei mollige Damen den Hügel hinaufgeächzt. Eine davon identifizierte das Reptil als "Maybe a grass snake". Das wäre dann eine Ringelnatter. (Nach späteren Vergleichen bei Wikipedia glauben wir nun übrigens doch eher an eine Blindschleiche.)
Wir wanderten weiter und ließen die drei hinter uns pausieren. Stetig ging es hügelaufwärts. Längst hätten die 300 Meter nach der Lodge vorbei sein müssen, nach denen sich der Weg gabelt. Andererseits könnten wir aufgrund der Anstrengungen auch einfach ein ziemlich schlechtes Entfernungsgefühl haben. Zudem stand ich unter Drogen: Traumeel und Mobilat.
Wir tranken gerade einen Schluck Wasser, also uns die drei Damen wieder einholten. Sie waren definitiv fitter als ihr molliges Äußere Glauben machte. Wir fragten sie, ob auch sie heute nach inversnaid gingen. So kamen wir ins Gespräch, im Verlauf dessen ich mein Leid mit der Achillessehne (na, was heißt Achillessehne auf Englisch?) klagte, und dass wir nicht wüssten, ob wir in Inversnaid unterkommen können, da unser Telefon nur doof piepte. Eine der drei Ladies zog ihr Telefon heraus und rief kurzerhand und problemlos dort an. Sie buchte uns ein Zimmer und meldete, dass wir ungefähr gegen 18 Uhr dort ankommen würden.
Ich bin mir ziemlich sicher, dass die drei uns ganz gut verstanden haben. Aber wir verstanden wenig von dem, was die drei erzählten ... Doch eins war klar, denn die Frau mit dem Telefon war eine Einheimische, und sie sagte, dass wir lieber den Höhenweg gehen sollten, und *nicht* den Uferweg. Der Höhenweg sei und bleibe ein Forstweg mit nur leichten Steigungen und Gefällen. Der Uferweg hingegen sei heftiger. So entschieden wir uns denn für den Höhenweg. Doch auch ohne diesen Umschwung wären wir wohl auf dem Höhenweg geblieben, denn wir konnten die Abzweigung beim besten Willen auch später nicht finden.
Die Damen verabschiedeten sich, und wir zockelten hinterher. Nach einer halben Stunde hatten wir sie wieder, denn sie hatten es sich an einem Aussichtspunkt mit Parkbank gemütlich gemacht. Wir gingen, Traumeel-gedopt, weiter.
Schließlich, laut Karte 4,5 Kilometer vor Inversnaid, kam von links ein Trampelpfad herauf, und ich witzelte, dass das bestimmt der Uferweg sei, der hier wieder auf den Hauptweg stoße. Im Nachhinein war das so witzig nicht, denn der Pfad schien tatsächlich der großartig im Reiseführer beschriebene Uferweg gewesen zu sein.
Nun ging es auf einem schmalen Pfad weiter, nicht mehr auf dem guten Forstweg. Entsprechend langsamer wurden wir und entsprechend weniger wirkte das Traumeel. Der Pfad war ziemlich anstrengend: über Stock und Stein, Fels und Bach, rauf und runter, immer entlang am Loch Lomond und (fast) immer im Wald. Sobald wir anhielten, fielen kleine Fliegen über uns her, wohl angezogen vom Schweißgeruch. Die "typische" Highland-Szenerie (Matsch, Moor, Felsen, Heide) hatten wir bisher nur am Conic Hill, und der markiert lediglich die Grenze zwischen High- und Lowland, gehört aber noch nicht wirklich dazu.
Plötzlich, irgendwo auf dem Weg, stank es erbärmlich. Und da waren sie: vier wilde Ziegen, riesige Viecher mit riesigen, gefährlich aussehenden Hörnern. Sie standen einfach oberhalb des Pfades und fraßen. Sie beäugten uns neugierig, ließen sich aber nicht stören und schienen auch nicht aggressiv zu sein. Im Reiseführer stand, dass man sie "mit etwas Glück" sehen könne, aber auf jeden Fall zuerst riechen würde. So war es in der Tat.
Unser beider Füße taten mittlerweile höllisch weh. Meine Achillessehnenschmerzen waren von den Fußsohlenschmerzen verdrängt worden. "Wann kommt denn endlich Inversnaid?" war alles, was wir noch denken konnten. Es fing an zu regnen, aber das war uns egal, da hinter der nächsten Kurve doch bestimmt Inversnaid liegen würde. Doch hinter der nächsten Kurve kam nur noch eine weitere Kurve. Noch nicht einmal den Wasserfall, der "kurz vor Inversnaid" zu finden sein solle, war erreicht. Was heißt eigentlich "kurz vor"? Ein Kilometer? Zwei?
Der Regen hörte auf, die Sonne kam heraus, der Regen setzte wieder ein. Kurve. Kurve.
"Ich glaub, da steht ein Haus", hörte ich Katja von vorne sagen. Mir reichte die Kraft nicht, um zu jubeln. Der Wasserfall war übrigens nicht "kurz vor" Inversnaid, sondern "direkt an" Inversnaid. Er markiert sozusagen die Grenze von ziegenbewohnter Wildnis zu satellitenfernsehender Zivilisation.
Wanderer haben einen eigenen Eingang zum Hotel, was verschiedentlich als Diskriminierung verstanden wird. Ich empfand es als Segen: Dieser Eingang liegt direkt am West Highland Way und erspart dem fußkranken Wanderer die komplette Umrundung des viktorianischen Gebäudes.
Wir buchten uns für zwei Nächte ein, denn nun brauchten wir beide eine ordentliche Regenerationsphase, und bekamen Zimmer 192. Das ist das Zimmer, das am weitesten weg und am höchsten hinaus war. Die Treppen und Fußböden waren schief und krumm, verzogen vom Alter und der immer währenden Feuchtigkeit Schottlands. Alles Interieur wirkte ein bisschen wie Erstausstattung: viktorianisch. Die Betten allerdings waren sehr bequem, und beim Fernseher handelte es sich um ein modernes LCD-Gerät von LG.
Nur das Wasser der Badewanne, auf die wir uns so gefreut hatten, wollte und wollte nicht heiß werden. Ich setzte den Manager davon in Kenntnis, und er versprach, sich darum zu kümmern, jedoch könne er nichts versprechen.
Das Abendessen war ein Dreigangmenü. Vorweg gab es eine geschmacklich hervorragende Sellerie-Crème-Suppe, in der der Pürierstab jedoch gut und gern noch etwas hätte tanzen dürfen. Katjas vegetarische Quiche sah gut aus und war lecker, ebenso wie meine Lammkeule mit Minzsoße. Was allerdings an der Soße minzig gewesen sein soll, weiß der Koch alleine. Vielleicht ist "mint" ein Synonym zu "brown" oder "warm"? Sehenswert war die Beilagenplatte zu meinem Gericht: Alleine von diesen Beilagen wären wir zwei satt geworden. 300 g Erbsen, 300 g Möhren, 500 g Kartoffeln (alles übrigens komplett ungesalzen - das ist hier so üblich). Zusätzlich lag meinem Lamm noch so eine Art würziger Pommes und Katjas Quiche eine Menge Salat und Coleslaw bei (das ihr zu sahnig war).
Wir wurden beide pappsatt.
Als die osteuropäische Kellnerin uns "wenigstens eine Portion" Erdbeerkäsekuchen aufdrängte, war uns schon klar, dass wir den nicht würden schaffen können. Und als er dann da war, war uns klar, dass wir ihn nicht würden essen *wollen*: Er war ziemlich unansehnlich mit seinen Dosenerdbeeren. Geschmeckt hat er auch nicht.
Katja hatte zum Essen eine Limonade, und die war richtig, richtig lecker. Anscheinend hausgemacht. Und der Whisky im Glas ist zudem preiswert: 2,50 Pfund pro 2,5 cl, und außerdem gibt es eine große Auswahl an Malts. Die einfachen Panschwhiskys wie Johnny Walker oder Teacher's gibt es gar nicht erst, und auch die besseren Blends wie etwa Ballentines finden sich nicht auf der Karte. Doch auf Alkohol habe ich irgendwie keine Lust.
Im Fernsehen lief Fußball. Türkei gegen Kroatien. Das Spiel inklusive der dramatischen Verlängerung und dem noch dramatischeren Elfmeterschießen guckten wir uns noch an, dann gingen wir ins Bett. Ungewaschen, denn das heiße Wasser lief noch immer nicht.
Zum sonnigen Frühstück (der heftige Wind hatte sich über Nacht ja bereits gelegt) gab es Müsli mit Milchpulver und eine Scheibe pappigen britischen Brotes mit Zitronengelee, das wir in Mollgäi beim B&B stibitzt hatten. Die Vögel hier sind sehr zutraulich, wie es Tierfreunde vermutlich nennen würden. Besser gesagt sind sie rotzfrech. Sie kommen bis auf einen halben Meter etwa herangehopst und gucken, ob sie was abstauben können. Bei uns allerdings können sie das nicht. Wir essen alles selber auf.
Nachdem wir Zelt, Schlafsäcke, Isomatten und alles andere Zeugs gerade in die Rucksäcke verpackt hatten, begann es aus heiterem Himmel heftig zu regnen. Und das, obwohl die Regenwahrscheinlichkeit für heute bei unter 50 Prozent lag. Vermutlich bedeutet das: "40 bis 50 % - heftige, aber nur kurze Schauer." Denn nach nur fünf Minuten war alles vorbei und die Sonne kam wieder heraus. Wir brachen auf. Kaum waren wir nur zehn Minuten unterwegs, meldete sich wieder meine Achillessehne zu Wort. Besonders hügelabwärts schmerzte sie sehr, aber auch in der Ebene, während hangaufwärts zu gehen kein Problem darstellte. Hangaufwärts störten nur die knapp 20 Kilo auf meinem Rücken.
Auf dem schmalen Pfad entlang des Loch Lomond trafen wir an einem Parkplatz zwei Arbeiter, die damit beschäftigt waren, den West Highland Way gartentechnisch in Schuss zu halten, sprich: Sie kappen die vielen Ranken am Pfadesrand. Mit ihnen kamen wir ins Gespräch. Als sie hörten, wir seien Deutsche, fragten sie uns, ob wir denn das "tolle Fußballspiel gestern" gesehen hätten. Nein, wieso? Deutschland habe Portugal spektakulär mit 3:2 besiegt, und dieser hässliche Blonde habe hervorragend gespielt, während Ballack "absolutely genious" gewesen sein soll. Wie bitte? Deutschland hat Portugal besiegt?? Unfassbar. Da vergaß ich glatt meine Achillessehne für ein paar Minuten. Endorphine tun halt doch ihre Wirkung. :-)
Schließlich, nach endlos scheinenden sechs oder sieben Kilometern, kamen wir in den Ort Rowardennan. Ort? Am Ortseingang: eine Ferienhaussiedlung, dann ein Hotel. Dann 500 Meter gar nichts, dann ein Parkplatz und eine offiziell wirkende Hütte, deren Sinn wir aber nicht zu ergründen gedachten. Vielleicht die lokale Vogelwarte? In einem Kilometer Entfernung sollte dann noch die Jugendherberge kommen, und das wäre es dann mit Rowardennan. Zunächst ließen wir uns aber auf dem Parkplatz direkt am Wasser auf einer Bank nieder. Die Straße endete hier, daher gab es auch keinen großen Autoverkehr. Auf der Parkbank analysierten wir meine Schmerzen in der Ferse und beschlossen, noch den Kilometer in die Herberge zu gehen und dann dort für eine oder zwei Nächte zu bleiben und meinem Fuß eine Pause zu gönnen. Zwar soll dort kein Frühstück serviert werden, dennoch hat das Etablissements gute Kritiken bekommen.
So hinkte ich denn Katja hinterher. In der Einfahrt zur Jugendherberge (hier führte eine andere Straße hin, während der West Highland Way immer schön am Ufer des Lochs bleibt) holzte eine Horde von für diese Tätigkeit unangemessen bekleideten Damen und Herren (die sahen alle aus, als hätte ein wildgewordener Polizist wahllos 20 Autos angehalten und die Insassen zu Fronarbeit verdonnert) den halben tropischen Regenwald ab, der sich in Form riesiger Rhododendren in der Einfahrt zur Herberge breit gemacht zu haben schien. Auf dem Parkplatz des Anwesens (nicht anders kann man die Jugendherberge nennen) standen die 20 Fahrzeuge, die der wildgewordene Polizist herausgewunken zu haben schien. "Die gehören doch hoffentlich zu den Arbeitern", sagte Katja, doch wir wurden enttäuscht. Ein Schild an der Rezeption sagte unmissverständlich, dass man "Full for Tonight" sei.
Was tun? Wir hatten uns doch für etwas Ruhe entschieden - ein paar Stunden keinen Stress für meine Ferse. Zurück nach Rowardennan? 1,5 Kilometer bis zum Hotel? Nein danke. Vorwärts immer, rückwärts nimmer! Dann lieber weiter. Wir konsultierten die Karte. Das nächste offizielle Etappenziel war das Hotel in Inversnaid - viel zu weit weg. Aber vorher sollte es noch einen ofiziell-wilden Zeltplatz und kurze Zeit später eine Lodge geben, die auf der Karte mit einem Bettensymbol versehen war, einige Kilometer vor Inversnaid dann auf dem unteren Weg (der Weg teilte sich 300 Meter nach der Lodge in einen Höhen- und einen alternativen Uferweg) noch eine Schutzhütte. Wir entschieden, zum Zeltplatz weiterzugehen. Meine Ferse rieben wir großzügig mit Mobilat ein, das einzige Mittel, das wir für solche Fälle mitgenommen hatten. Ich benutzte es schon seit zwei Tagen.
Bis zum Zeltplatz (und noch darüber hinaus) waren Massen an Leuten damit beschäftigt, Rhododendron zu vernichten. Soll der hier ausgerottet werden? Oder nimmt er einfach nur Überhand und wird einmal alle zehn Jahre zurückgeschnitten? Auf dem Zeltplatz rauchte es gewaltig; dort schien das ganze abgeschnittene Holz dann verbrannt zu werden. Also: Weiter zur Lodge. Immerhin war der West Highland Way hier ein gut ausgebauter, breiter Forstweg ohne große Steigungen oder Senken.
Der Weg dorthin muss für Katja eine Qual gewesen sein. Ständig hörte sie mein Jammern hinter sich: "Au!", "Geh nicht so schnell", "Ich brauch 'ne Pause" und so weiter und so fort. Doch sie nahm es mit großer Gelassenheit. Mir kreiste die ganze Zeit die Erinnerung an unsere 2006-er Weserwanderung von Hannoversch-Münden bis beinahe Hameln im Kopf herum: "Wieso immer ich, und wieso immer der rechte Fuß?" Damals hätte ich mir beinahe einen Ermüdungsbruch zugezogen.
Schließlich kamen wir über einen wunderschönen, Rhododendron-gesäumten Weg, der vom West Highland Way abbog, zur Lodge. Es handelte sich um ein hübsches, kleines Haus direkt am Ufer des Loch Lomonds, dahinter erstreckte sich eine frisch gemähte, grüne Wiese. Aber niemand war da. Was nun? Zurück zum Hotel in Rowardennan - mittlerweile fast drei Kilometer hinter uns, die wir noch einmal würden laufen müssen - oder lieber voran in Richtung Inversnaid auf dem unteren Weg, wo noch die Schutzhütte liegt?
Zunächst versuchten wir, telefonischen Kontakt zum Bunkhouse in Inversnaid herzustellen, um herauszufinden, ob es für uns noch einen Platz gab. Ein Bunkhouse ist eine Kategorie unter Jugendherbergen angesiedelt. Wir bekamen jedoch nur ein "Piep-Piep-Piep", dann brach die Verbindung ab. Mehrfach. Also versuchten wir es im Inversnaid Hotel. Mit dem gleichen, frustrierenden Ergebnis.
Ich schluckte Traumeel, ein Mittel gegen Entzündungen, das in Kombination mit dem allmählich wirkenden Mobilat ein kleines Wunder wirkte: Ein warmes Gefühl durchlief mich, dann konnte ich einigermaßen laufen. Jetzt allerdings machte sich - glücklicherweise nicht nur bei mir - die allgemeine Anstrengung bemerkbar, denn die Rucksäcke zogen uns ganz schön nach unten, denn wir mussten ganz schön nach hügelaufwärts krabbeln, um zur Abzweigung von Höhen- und Uferweg zu kommen. Oder hatten wir die Abzweigung schon verpasst? Doch zunächst trafen wir auf eine Schlange. Sie war etwa 30 cm lang, braun und wies keinerlei Zeichnung auf. Schlange oder Blindschleiche? Züngeln Blindschleichen mit gespaltener Zunge? Keine Ahnung.
Gerade als die Schlange den Abgang in die Büsche wagte, kamen drei mollige Damen den Hügel hinaufgeächzt. Eine davon identifizierte das Reptil als "Maybe a grass snake". Das wäre dann eine Ringelnatter. (Nach späteren Vergleichen bei Wikipedia glauben wir nun übrigens doch eher an eine Blindschleiche.)
Wir wanderten weiter und ließen die drei hinter uns pausieren. Stetig ging es hügelaufwärts. Längst hätten die 300 Meter nach der Lodge vorbei sein müssen, nach denen sich der Weg gabelt. Andererseits könnten wir aufgrund der Anstrengungen auch einfach ein ziemlich schlechtes Entfernungsgefühl haben. Zudem stand ich unter Drogen: Traumeel und Mobilat.
Wir tranken gerade einen Schluck Wasser, also uns die drei Damen wieder einholten. Sie waren definitiv fitter als ihr molliges Äußere Glauben machte. Wir fragten sie, ob auch sie heute nach inversnaid gingen. So kamen wir ins Gespräch, im Verlauf dessen ich mein Leid mit der Achillessehne (na, was heißt Achillessehne auf Englisch?) klagte, und dass wir nicht wüssten, ob wir in Inversnaid unterkommen können, da unser Telefon nur doof piepte. Eine der drei Ladies zog ihr Telefon heraus und rief kurzerhand und problemlos dort an. Sie buchte uns ein Zimmer und meldete, dass wir ungefähr gegen 18 Uhr dort ankommen würden.
Ich bin mir ziemlich sicher, dass die drei uns ganz gut verstanden haben. Aber wir verstanden wenig von dem, was die drei erzählten ... Doch eins war klar, denn die Frau mit dem Telefon war eine Einheimische, und sie sagte, dass wir lieber den Höhenweg gehen sollten, und *nicht* den Uferweg. Der Höhenweg sei und bleibe ein Forstweg mit nur leichten Steigungen und Gefällen. Der Uferweg hingegen sei heftiger. So entschieden wir uns denn für den Höhenweg. Doch auch ohne diesen Umschwung wären wir wohl auf dem Höhenweg geblieben, denn wir konnten die Abzweigung beim besten Willen auch später nicht finden.
Die Damen verabschiedeten sich, und wir zockelten hinterher. Nach einer halben Stunde hatten wir sie wieder, denn sie hatten es sich an einem Aussichtspunkt mit Parkbank gemütlich gemacht. Wir gingen, Traumeel-gedopt, weiter.
Schließlich, laut Karte 4,5 Kilometer vor Inversnaid, kam von links ein Trampelpfad herauf, und ich witzelte, dass das bestimmt der Uferweg sei, der hier wieder auf den Hauptweg stoße. Im Nachhinein war das so witzig nicht, denn der Pfad schien tatsächlich der großartig im Reiseführer beschriebene Uferweg gewesen zu sein.
Nun ging es auf einem schmalen Pfad weiter, nicht mehr auf dem guten Forstweg. Entsprechend langsamer wurden wir und entsprechend weniger wirkte das Traumeel. Der Pfad war ziemlich anstrengend: über Stock und Stein, Fels und Bach, rauf und runter, immer entlang am Loch Lomond und (fast) immer im Wald. Sobald wir anhielten, fielen kleine Fliegen über uns her, wohl angezogen vom Schweißgeruch. Die "typische" Highland-Szenerie (Matsch, Moor, Felsen, Heide) hatten wir bisher nur am Conic Hill, und der markiert lediglich die Grenze zwischen High- und Lowland, gehört aber noch nicht wirklich dazu.
Plötzlich, irgendwo auf dem Weg, stank es erbärmlich. Und da waren sie: vier wilde Ziegen, riesige Viecher mit riesigen, gefährlich aussehenden Hörnern. Sie standen einfach oberhalb des Pfades und fraßen. Sie beäugten uns neugierig, ließen sich aber nicht stören und schienen auch nicht aggressiv zu sein. Im Reiseführer stand, dass man sie "mit etwas Glück" sehen könne, aber auf jeden Fall zuerst riechen würde. So war es in der Tat.
Unser beider Füße taten mittlerweile höllisch weh. Meine Achillessehnenschmerzen waren von den Fußsohlenschmerzen verdrängt worden. "Wann kommt denn endlich Inversnaid?" war alles, was wir noch denken konnten. Es fing an zu regnen, aber das war uns egal, da hinter der nächsten Kurve doch bestimmt Inversnaid liegen würde. Doch hinter der nächsten Kurve kam nur noch eine weitere Kurve. Noch nicht einmal den Wasserfall, der "kurz vor Inversnaid" zu finden sein solle, war erreicht. Was heißt eigentlich "kurz vor"? Ein Kilometer? Zwei?
Der Regen hörte auf, die Sonne kam heraus, der Regen setzte wieder ein. Kurve. Kurve.
"Ich glaub, da steht ein Haus", hörte ich Katja von vorne sagen. Mir reichte die Kraft nicht, um zu jubeln. Der Wasserfall war übrigens nicht "kurz vor" Inversnaid, sondern "direkt an" Inversnaid. Er markiert sozusagen die Grenze von ziegenbewohnter Wildnis zu satellitenfernsehender Zivilisation.
Wanderer haben einen eigenen Eingang zum Hotel, was verschiedentlich als Diskriminierung verstanden wird. Ich empfand es als Segen: Dieser Eingang liegt direkt am West Highland Way und erspart dem fußkranken Wanderer die komplette Umrundung des viktorianischen Gebäudes.
Wir buchten uns für zwei Nächte ein, denn nun brauchten wir beide eine ordentliche Regenerationsphase, und bekamen Zimmer 192. Das ist das Zimmer, das am weitesten weg und am höchsten hinaus war. Die Treppen und Fußböden waren schief und krumm, verzogen vom Alter und der immer währenden Feuchtigkeit Schottlands. Alles Interieur wirkte ein bisschen wie Erstausstattung: viktorianisch. Die Betten allerdings waren sehr bequem, und beim Fernseher handelte es sich um ein modernes LCD-Gerät von LG.
Nur das Wasser der Badewanne, auf die wir uns so gefreut hatten, wollte und wollte nicht heiß werden. Ich setzte den Manager davon in Kenntnis, und er versprach, sich darum zu kümmern, jedoch könne er nichts versprechen.
Das Abendessen war ein Dreigangmenü. Vorweg gab es eine geschmacklich hervorragende Sellerie-Crème-Suppe, in der der Pürierstab jedoch gut und gern noch etwas hätte tanzen dürfen. Katjas vegetarische Quiche sah gut aus und war lecker, ebenso wie meine Lammkeule mit Minzsoße. Was allerdings an der Soße minzig gewesen sein soll, weiß der Koch alleine. Vielleicht ist "mint" ein Synonym zu "brown" oder "warm"? Sehenswert war die Beilagenplatte zu meinem Gericht: Alleine von diesen Beilagen wären wir zwei satt geworden. 300 g Erbsen, 300 g Möhren, 500 g Kartoffeln (alles übrigens komplett ungesalzen - das ist hier so üblich). Zusätzlich lag meinem Lamm noch so eine Art würziger Pommes und Katjas Quiche eine Menge Salat und Coleslaw bei (das ihr zu sahnig war).
Wir wurden beide pappsatt.
Als die osteuropäische Kellnerin uns "wenigstens eine Portion" Erdbeerkäsekuchen aufdrängte, war uns schon klar, dass wir den nicht würden schaffen können. Und als er dann da war, war uns klar, dass wir ihn nicht würden essen *wollen*: Er war ziemlich unansehnlich mit seinen Dosenerdbeeren. Geschmeckt hat er auch nicht.
Katja hatte zum Essen eine Limonade, und die war richtig, richtig lecker. Anscheinend hausgemacht. Und der Whisky im Glas ist zudem preiswert: 2,50 Pfund pro 2,5 cl, und außerdem gibt es eine große Auswahl an Malts. Die einfachen Panschwhiskys wie Johnny Walker oder Teacher's gibt es gar nicht erst, und auch die besseren Blends wie etwa Ballentines finden sich nicht auf der Karte. Doch auf Alkohol habe ich irgendwie keine Lust.
Im Fernsehen lief Fußball. Türkei gegen Kroatien. Das Spiel inklusive der dramatischen Verlängerung und dem noch dramatischeren Elfmeterschießen guckten wir uns noch an, dann gingen wir ins Bett. Ungewaschen, denn das heiße Wasser lief noch immer nicht.
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Donnerstag, 8. Mai 2008
Mal was zum Thema Wandern
Mittwoch, 12. März 2008
Von Hartkeksen und Hackfleischrisotto
Während ich vorhin den Beitrag zum Dosenburger verfasste, traten mir die ganzen Schrecken meiner Kindheit vor Augen. Als ich 1985 mit 13 Jahren und meinem Papa in Schweden war (im Pouch-Faltboot den Dålsland-Kanal entlang), hatten wir eine Menge Bundeswehr-Einmannrationen dabei. Diese EPA genannten Pappkartons enthalten 3500 Kalorien in Form von Fertignahrung, Schokolade, Tubenschmelzkäse und Keksen. Insbesondere die Kekse hatten (und haben!) es mir angetan: der Hartkeks.
Es gibt eine Menge Gerüchte um ihn, den kleinen Hartkeks. So wird kolportiert, man könne sich quasi kugeldicht machen, wenn man nur genug Hartkekse am Körper trage. Auch lasse sich mit ihm unter Zuhilfenahme der ziemlich öligen Bundeswehr-Schuhcreme ein bezauberndes Lagerfeuer entfachen. Kann alles sein. Mir schmeckt er einfach. In seiner Packung ist er geschätzte tausend Jahre haltbar, aber wehe, die Packung bekommt ein Loch – dann werden die Kekse darin ziemlich rasch ranzig. Da hilft dann nur eins: schnell aufessen. :o)
Was die Fertiggerichte in den EPAs angeht, bin ich zwiegespalten, denn es gibt – wie ich später während des Wehrdienstes feststellen durfte – durchaus leckere Varianten. Man kann sie sowohl warm als auch kalt essen, was sicherlich auch für Ravioli aus der Dose gilt, aber damals in Schweden hatten wir halt eine große Menge EPAs und eine gegen Null tendierende Menge Dosenravioli. Unsere EPAs waren alle vom selben Typ: In ihnen enthalten waren lecker klingende Gerichte wie Linsensuppe mit Würstchen und Hackfleischrisotto. Ersteres schmeckte wie es klang: bodenständig und ehrlich, kalt wie warm. Aber dieses Hackfleischrisotto... baaaaah! Wenn ich daran denke, bekomme ich noch heute den Geruch von dem Zeugs wieder in die Nase, und das ist immerhin 23 Jahre her.
Das Hackfleischrisotto wurde von einem leicht säuerlichen Geschmack begleitet, der wohl eine feine Weinnote darstellen sollte, aber so gar nicht zum Hackfleisch passte. Eben jenes machte auch optisch nicht all zu viel her: matschige, braune Plocken zwischen aufgedunsenen, toten Minimaden gleichen Reiskörnchen. Alles undefinierbar, und nach der ersten Gabel voll war mir bereits nicht mehr gut. Ich habe es in allen Varianten probiert: kalt und warm, mit Brot und ohne, mit hingucken und mit zugekniffenen Augen. Einzig erträglich war das Zeug mit zugehaltener Nase, aber da machte dann das Schlucken keinen Spaß.
Ich habe das Hackfleischrisotto überlebt, und beim Bund 1992/93 habe ich das gefürchtete Zeug nicht mehr bekommen. Da gab es dann andere Variationen der Feldcuisine.
Es gibt eine Menge Gerüchte um ihn, den kleinen Hartkeks. So wird kolportiert, man könne sich quasi kugeldicht machen, wenn man nur genug Hartkekse am Körper trage. Auch lasse sich mit ihm unter Zuhilfenahme der ziemlich öligen Bundeswehr-Schuhcreme ein bezauberndes Lagerfeuer entfachen. Kann alles sein. Mir schmeckt er einfach. In seiner Packung ist er geschätzte tausend Jahre haltbar, aber wehe, die Packung bekommt ein Loch – dann werden die Kekse darin ziemlich rasch ranzig. Da hilft dann nur eins: schnell aufessen. :o)
Was die Fertiggerichte in den EPAs angeht, bin ich zwiegespalten, denn es gibt – wie ich später während des Wehrdienstes feststellen durfte – durchaus leckere Varianten. Man kann sie sowohl warm als auch kalt essen, was sicherlich auch für Ravioli aus der Dose gilt, aber damals in Schweden hatten wir halt eine große Menge EPAs und eine gegen Null tendierende Menge Dosenravioli. Unsere EPAs waren alle vom selben Typ: In ihnen enthalten waren lecker klingende Gerichte wie Linsensuppe mit Würstchen und Hackfleischrisotto. Ersteres schmeckte wie es klang: bodenständig und ehrlich, kalt wie warm. Aber dieses Hackfleischrisotto... baaaaah! Wenn ich daran denke, bekomme ich noch heute den Geruch von dem Zeugs wieder in die Nase, und das ist immerhin 23 Jahre her.
Das Hackfleischrisotto wurde von einem leicht säuerlichen Geschmack begleitet, der wohl eine feine Weinnote darstellen sollte, aber so gar nicht zum Hackfleisch passte. Eben jenes machte auch optisch nicht all zu viel her: matschige, braune Plocken zwischen aufgedunsenen, toten Minimaden gleichen Reiskörnchen. Alles undefinierbar, und nach der ersten Gabel voll war mir bereits nicht mehr gut. Ich habe es in allen Varianten probiert: kalt und warm, mit Brot und ohne, mit hingucken und mit zugekniffenen Augen. Einzig erträglich war das Zeug mit zugehaltener Nase, aber da machte dann das Schlucken keinen Spaß.
Ich habe das Hackfleischrisotto überlebt, und beim Bund 1992/93 habe ich das gefürchtete Zeug nicht mehr bekommen. Da gab es dann andere Variationen der Feldcuisine.
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Dosenburger!
Es gibt ja diese Trekking-Mahlzeiten, die alle etwas besser sein sollen als die EPA-Rationen der Bundeswehr (Hackfleischrisotto! [schüttel]). Da gibt es dann Trockengemüse und Trockenfleisch, Trockenrotwein und Trockenlimonade. Das hat alles seinen Sinn, sogar der Trockenrotwein. Aber irgendwo hört der Spaß auf. Und zwar genau hier:

Ich glaube, ich bestelle mir so ein Ding mal und dokumentiere dann eine Auspackzeremonie. Bin gespannt, ob das Ergebnis ebenso appetitlich ist wie das Bild...

Ich glaube, ich bestelle mir so ein Ding mal und dokumentiere dann eine Auspackzeremonie. Bin gespannt, ob das Ergebnis ebenso appetitlich ist wie das Bild...
Sonntag, 24. Februar 2008
Zelt!
Gestern war es soweit: Wir haben uns ein Zelt gekauft. Es wurde keines der beiden, die wir ursprünglich angedacht hatten, sondern das Hilleberg Kaitum 3, das wir bei SFU in Hannover gefunden haben. Vorteil gegenüber dem Hilleberg Nallo, das eigentlich unser Favorit war: Während das Nallo am Fußende ziemlich stark abfällt und so die Gefahr besteht, dass der Schlafsack die Zeltwand berührt (Nässe!), kann das beim Kaitum nicht passieren. Das Kaitum besteht aus zwei identischen Hälften, die in der Mitte zusammengenäht sind – so ist links wie rechts eine senkrechte Zeltwand, was unglaublich viel Platz bedeutet. Zwei gleich große Absiden bieten Platz für bestimmt vier Rucksäcke. Und soviel brauchen wir nicht :-)
Lustigerweise würde übrigens das Nallo GT für drei (!) Personen noch immer weniger wiegen als das Kaitum für zwei Personen, aber mit 2.870 Gramm ist das noch immer im sehr guten Rahmen.
Lustigerweise würde übrigens das Nallo GT für drei (!) Personen noch immer weniger wiegen als das Kaitum für zwei Personen, aber mit 2.870 Gramm ist das noch immer im sehr guten Rahmen.
Samstag, 9. Februar 2008
To tent or not to tent?
Wir haben ein Problem: Unser Zelt ist zwar schön und geräumig und auch noch tadellos in Schuss, sieht man mal vom Riss im Transportsack ab, den Béla anno 2001 in irischen Brombeerbüschen gerissen und mit Duct Tape wieder geflickt hat. Aber es ist ziemlich schwer. Das Gestänge war sehr preiswert und hat sein Gewicht, ebenso die Zeltwand selbst. Da wir in Schottland vermutlich selten zelten werden, möchten wir uns nicht mit unnötigen Kilos belasten. Also muss ein neues Zelt her – Gewichtsklasse bis etwa drei Kilogramm.
Ein kurzer Check bei Globetrotter ergab zwei in Frage kommende Zelte, nämlich das Hilleberg Nallo 2 GT oder das Nordisk Sundback SI. Letzteres kostet die Hälfte des ersteren, wiegt aber satte 500 Gramm mehr und hat deutlich heftigere Packmaße. Wir recherchieren aber noch weiter und werden uns auch sicherlich bei BlueSky und der Bergsportzentrale etc. beraten lassen.
Ein kurzer Check bei Globetrotter ergab zwei in Frage kommende Zelte, nämlich das Hilleberg Nallo 2 GT oder das Nordisk Sundback SI. Letzteres kostet die Hälfte des ersteren, wiegt aber satte 500 Gramm mehr und hat deutlich heftigere Packmaße. Wir recherchieren aber noch weiter und werden uns auch sicherlich bei BlueSky und der Bergsportzentrale etc. beraten lassen.
Schottland!
In diesem Jahr ist Schottland dran, haben wir beschlossen. Wir sind uns nur noch nicht ganz einig, in welcher Gegend wir wandern wollen, wissen aber immerhin schon, dass wir Mitte Juno fahren und Anfang Juli zurückkehren werden. Wir möchten gerne an die Küste, aber auch an die Berge, wir möchten Whisky-Brennereien sehen und die Highlands. Oh je. Das klingt nach "Europe In Three Days".
Um besser klar zu kommen haben wir uns bereits ein bisschen Literatur zugelegt: Den Lonely Planet für Schottland und den Wanderführer West Highland Way. Den Wanderführer über den Whisky-Trail haben wir schon etwas länger im Besitz. Ich blättere schon immerzu im Planet, um herauszufinden, wohin es gehen soll...
Um besser klar zu kommen haben wir uns bereits ein bisschen Literatur zugelegt: Den Lonely Planet für Schottland und den Wanderführer West Highland Way. Den Wanderführer über den Whisky-Trail haben wir schon etwas länger im Besitz. Ich blättere schon immerzu im Planet, um herauszufinden, wohin es gehen soll...
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